Individualisten schätzen alte Düfte



Berlin (OZ)
Prominente machen es vor: Sie setzen auf das zeitlos betörende Flair „alter“ Düfte – wie Prinz Charles, der auf „Green Irish Tweed“ schwört – ein Wasser, das bereits seit mehr als 50 Jahren unverändert auf dem Markt ist. Oder Julia Roberts, die ihre Reize mit „L'Heure Bleue“ von Guerlain verstärkt – ein Klassiker aus dem Jahr 1912. Schließlich wäre da nach Chanel No 5 – dank Marilyn Monroe in aller Welt bekannt – , von dem alle 30 Sekunden irgendwo auf der Welt eine Flasche über den Tresen geht. Düfte mit Tradition sind gefragt wie nie.

Eine wohlsortierte Quelle von Traditionsdüften aus England, die sonst kaum zu finden sind, ist der Laden „The English Scent“ in Berlin. „Auf meinen Reisen nach London entdecke ich diesen Mikrokosmos aus alten, kleinen Firmen, die nicht auf dem offiziellen Duftmarkt vertreten sind, sondern ein Nischendasein führen“, erinnert sich Betreiber Lothar Ruff an die Gründungsidee seines Ladens. Nicht von ungefähr käme diese Art der Körperkultur, „the art of grooming“, wie es so schön heißt, aus England, dem Land des Gentlemen und Dandys. Der Engländer pinselt sich die Bartstoppeln mit einem Dachshaar-Rasierpinsel mit Chromhandgriffen ein und benutzt dann etwa den Nassrasierer mit ebenholzfarbigem Handgriff „Georgian“. „Man muss Vergnügen an sich haben – die Engländer verwenden da den ungefähr mit ,Müßiggang' übersetzbaren Begriff ,self indulgence',“ so Ruff.


Diese bewusste Körperkultur habe ja auch etwas damit zu tun, dass man Aufmerksamkeit auf sich lenke, meint Ruff. Ein Besuch in seinem Laden hinterlässt bei Kunden, die zum ersten Mal kommen, oft eine große Duftverwirrung. So kann ein Parfum riechen? Das ist der Moment, in dem eine Reise durch die Wohlgerüche der Insel beginnt. Zum Beispiel das Cologne „Ajaccio Violets“, das auch als After Shave eingesetzt werden kann. Oder der Zitrus-Duft „West Indian Limes“, der nach einer 150 Jahre alten Rezeptur hergestellt wird, oder das königliche „Crowe Fougère“ aus der Crown Perfumery Co., das nach Lavendel, Geranien, Gewürzen und aromatischen Hölzern riecht und das Charlie Chaplin gerne trug. Für jede Nase gibt es eine reiche Auswahl.

DIRK ENGELHARDT, OSTSEE-ZEITUNG, 04. April 2002